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Ein neues Licht in MoMAs Fotografie-Abteilung

Makeda Best wird im September MoMAs Chefkuratorin für Fotografie. Das ist mehr als eine Personalmeldung; es ist der Moment, in dem ein Museum neu abwägt, wie es Bilder betrachtet.

Egemen Mustafa Şener
Egemen Mustafa Şener

Modefotograf

MoMA Fotografie-Abteilung — Essaybild

Wohin kommt die Dunkelheit?

Wenn gefragt wird, wer eine Fotografie-Abteilung führen wird, schauen die meisten auf Namenslisten. Ich stelle zuerst eine andere Frage: Wohin wird diese Institution die Dunkelheit von nun an legen?

Makeda Best und der leere Stuhl

Anfang Juni ernannte MoMA Makeda Best zur Joel-and-Anne-Ehrenkranz-Chefkuratorin für Fotografie. Sie beginnt im September. Sie kommt vom Oakland Museum of California und kuratierte zuvor Fotografie an den Harvard Art Museums. Seit Clément Chéroux 2022 nach Paris ging, hat Roxana Marcoci den Stuhl jahrelang interimistisch getragen. Vier Jahre sind eine lange Stille. Eine große Sammlung atmet auch in dieser Zeit—doch wenn die Richtung unklar bleibt, wird dieser Atem dünn.

MoMA als Gedächtnis

Für mich ist MoMA nicht nur ein prestigeträchtiger Name. Es ist ein Gedächtnis, das auch meine Arbeiten hält. Seit 1940 hat es Fotografie in die Sprache der modernen Kunst gebracht und in über dreißigtausend Werken archiviert, wie eine Epoche aussah. Wer diese Abteilung leitet, führt kein Schaufenster—sondern einen Blick.

Warum Best zählt

Deshalb zählt Bests Berufung. Sie ist die erste Schwarze Kuratorin—und die erste Frau—die den Posten dauerhaft innehat. Eine Fußnote in die Geschichte zu schreiben ist leicht. Schwer ist, welche Gesichter, welche Arbeit und welche Zerbrechlichkeit danach an die Wand kommen. Sie ist selbst Fotografin. Sie studierte bei Allan Sekula am CalArts und promovierte in Harvard. Sie kennt die Rückseite der Kamera und das Gewicht des Archivs. Ihre Ausstellung American Job (2025) am International Center of Photography las Arbeit und amerikanische Arbeit über Bilder. Das trifft sich mit dem, was ich jahrelang in der Mode sah: Glanz reicht nicht. Die eigentliche Frage ist, was der Mensch unter dem Licht verbirgt.

Absicht und Blick

MoMAs neuer Direktor Christophe Cherix sagt, Best verbinde Fotografie mit Soziologie, Umwelt, Performance, Arbeit und öffentlichem Leben. Das kann nach Pressetext klingen. Doch wenn der richtige Name den richtigen Platz findet, trägt auch Pressetext eine Absicht. Bests eigene Worte sind klarer: Fotografie bleibt unverzichtbar, um zu verstehen, wer wir sind. MoMA gehört zu den seltenen Institutionen, die dafür noch Raum schaffen können.

Eine Karte in Bewegung

New Yorks Fotografieszene steht nicht still. Namen wandern von MoMA zum Met; Blickwinkel gleiten von einer Institution zur anderen. Best setzt sich nicht an einen leeren Tisch; sie betritt eine Karte in Bewegung. Wenn sie im September durch die Tür geht, erwartet sie nicht nur eine Sammlung—sondern vier Jahre Erwartung.

Was an die Wand kommt

Als Fotograf weiß ich: Die Identität einer Institution zeigt sich nicht im Katalogtext, sondern in den Gesichtern, die sie wählt. MoMAs Entscheidung kann die visuelle Definition der Moderne ein wenig erweitern—vielleicht ehrlicher machen. Der eigentliche Text beginnt nicht jetzt. Er beginnt in den Arbeiten, die in den kommenden Saisons an der Wand hängen.

Licht ist überall. Die Frage ist, wohin die Dunkelheit kommt.

Egemen Mustafa Şener